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Allemann Oben Allemann Unten

Georg Zimmermann Allemann Oben Allemann Unten

Ein feines Süppchen à la Parlament…
… denn der Deutsche frisst ja nur, was er auch kennt.
Eine Snare kracht und das alte Lied über den Massenmörder Haarmann erklingt als bizarrer
Abgesang auf unsere dünnhäutige Demokratie. Der Sozi, der Öko, der Katholik: Alle schmecken
„irgendwie verkehrt“. Gitarren kratzen und funkeln und aus einem 20er-Jahre-Schlager ist eine
bösartige Slow-Funk-Nummer geworden, in der Haarmann einen Politiker nach dem anderen in den
Kochtopf wirft.
Mit „Soupe Allemande“ eröffnet Georg Zimmermann sein drittes Album „Allemann Oben Allemann
Unten“ - und schiebt gleich das nächste schräge Szenario hinterher: Gemeinsam mit einem
nörgelnden Heinrich Heine durchwühlt er einen Supermarkt nach Tütenwein, während eine
Glamrock-Gitarre unsere Religion des Konsums zersägt.
Zimmermann fühlt sich anscheinend nicht mehr wohl in dieser Welt, und man fragt sich sogleich, ob
man nicht selbst auch „ein falsches Schaf der tragischen Herde“ oder ein „Mini-Snob“ sein könnte,
welche da so süffig besungen werden.
Dass der Songschreiber Heines Beobachtungen eines kriselnden Deutschlands auf unsere Zeit
überträgt, trifft nicht nur den Nagel auf den Kopf. Vielmehr erwacht auf „Allemann Oben Allemann
Unten“ ein altes Genre zu neuem Leben: Polit-Pop ohne Peinlichkeit und mit Köpfchen.
Bereits bei den Alben „Schreibmaschine“ und „Von Männern und Menschen“ wurde Zimmermann die
„Erfindung des Grotesk-Songs“ attestiert (plattentests.de) und der WDR2 lobte den „ganz eigenen
Zugang“ zur deutschen Sprache.
Auf dem neuen Album karikiert Zimmermann erneut unsere Welt. Und doch wird der Traum einer
romantischen Flucht angesichts eines erwachenden rechten Mobs und ökonomischer Gartenschere
zum bitteren Ernst, wenn Zimmermann in „Gemeinsam Alleine“ singt: „Es zwitschert von den
Dächern, die Faschisten seien jetzt hier. Ja, was habe ich mal gepredigt? Und was haben sie
profitiert.“

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